Ein Quanat ist eine traditionelle Form der Frischwasserförderung meist in Wüstengebieten. Es handelt sich um Wasserstollen, die Trink- und Nutzwasser aus höher gelegenen Bergregionen beziehen.
Der Ursprung der Qanat-Wassergewinnung liegt vermutlich vor über 2000 v.Chr. im Raum des heutigen Iran. Vom Iran aus verbreitete sich die Technik v.a. über die Seidenstraße in der antiken Welt aus, u.a. nach Ägypten. Mit den Arabern erfuhren die Qanate eine Ausbreitung nach Algerien, Marokko, Sizilien (z.B. die Qanate von Palermo, siehe Foto, aufgenommen im Qanat Gesuitico Alto), schließlich Spanien und von hier nach Südamerika.
Die Gründe, warum sich die Qanattechnik gerade in den Hochkulturen entwickelte und ausbreitete, ist v.a. das Fehlen größerer Flüsse und zudem die Nähe der Siedlungen zu einem vergleichsweise niederschlagsreichen Berg oder Gebirge.
Es wird angenommen, daß die ersten Qanate in Palermo unter Hassan al-Kalbi, der 948-954 Emir von Sizilien und Begründer der dortigen muslimischen Dynastie der Kalbiten war, gebaut wurden, um die Wasserversorgung der schnell wachsenden Stadt sicherzustellen. Dafür gibt es jedoch keine Belege. Schriftlich ist die Existenz der Qanate von Palermo erst durch al-Idrisi unter der Herrschaft Rogers II. bezeugt. Daher ist nicht klar, ob die Qanate unter Roger II. erstmals angelegt oder nur weiter ausgebaut wurden (durch die arabischen Fachkräfte).
Die Qanate von Palermo dienten der Trinkwasserversorgung der Stadt, zum Bewässern von Feldern und Gärten, und auch zum Speisen der zahlreichen künstlichen Bäche und Seen des königlichen Parks. Auch das Wasser der künstlichen Brunnen in den Schlössern La Zisa und Uscibene wurde durch Qanate zugeführt. Einige Stollen dienten auch der Entwässerung des Stadtgebiets und als Abwasserkanäle. Die Qanate blieben über mehrere Jahrhunderte in Betrieb. Die drei hauptsächlichen Qanate von Palermo sind der Qanat Gesuitico Alto, der Qanat Gesuitico Basso und der Qanat dell'Uscibene.
Barbara Derner, Guida Turistica di Palermo
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